
Als Medium und Faktor von Kultur kommt ihm zudem eine herausragende Rolle für die Ausbildung der nationalen Identität zu. Der Maßstab, an dem sich öffentlich-rechtliches Fernsehen messen lassen muss, ist deshalb seine Leistung für die Gesellschaft und die Bürger. Kommerzielles Fernsehen dagegen verfolgt prinzipiell andere Ziele, deren Ausgangspunkt nicht die Interessen der Zuschauer sind. Es sind allein die Vorgaben der Investoren und der Werbeindustrie, die hier eine Rolle spielen. In einer funktionierenden Mediendemokratie ist das in Ordnung - solange es als Korrektiv ein leistungsstarkes und unabhängiges öffentlich-rechtliches Pendant gibt.
Die zunehmende Digitalisierung der Medienlandschaft ermöglicht das Zusammenwachsen von Fernsehen und Internet. Sie führt zur größten Umwälzung seit der Einführung des Privatfernsehens in Deutschland. Mit dieser technologischen Konvergenz drängen neue, finanzstarke Wettbewerber auf den Fernsehmarkt. Mit der Folge einer zunehmenden Ökonomisierung des Fernsehens: Kommerzielles Fernsehen wird immer mehr zum Bezahlfernsehen. Der freie und kostenlose Zugang zu privaten Fernsehprogrammen gehört durch zunehmende Verschlüsselung in wenigen Jahren der Vergangenheit an. Damit werden die Ideen eines „Free Flow of Information“ und eines „Fernsehens ohne Grenzen“ – wie sie beispielweise in der gleichnamigen EU-Richtlinie zum Ausdruck kommen – konterkariert.


